5.1. Verzug beim Feuerverzinken      <<< zurück

Häufig kommt es dazu, dass sich Material beim Feuerverzinken verziehen kann. Verantwortlich für den Verzug von Stahlkonstruktionen bei der Feuerverzinkung ist die Auslösung von Eigenspannungen infolge Erwärmung. Die Feuerverzinkung wird bei einer Temperatur von 450°C durchgeführt. Derartige Eigenspannungen sind in Form von Walzspannungen, Schweißspannungen und Richtspannungen fertigungsbedingt in jedem Bauteil vorhanden. Sie haben unterschiedliche Größe und Wirkrichtung und können von der Verzinkerei nicht beeinflusst werden. Ein nochmaliges Verzinken eines verzogenen und anschließend gerichteten Teiles würde keine Vorteile bieten, da sich dann durch die beim Richten eingebrachten Spannungen ein erneuter Verzug ergeben würde.

Begrenzen kann man dieses Verhalten in gewissem Umfang durch Einhaltung von Schweißfolgeplänen. Diese Erkenntnisse haben Sie als Fertiger bei der Wahl der Werkstoffe und der Technologie bitte zu berücksichtigen.
 

5.2. Richten von Bauteilen vor / nach dem Feuerverzinken

Bei der Fertigung von Stahlkonstruktionen, insbesondere beim Schweißen, werden Spannungen eingebracht, welche beim Feuerverzinken als Folge der bei ca. 450°C abgesenkten Streckgrenze des Stahls zum Verzug führen können. Um diesen Verzug zu vermeiden bzw. zu minimieren, sollten die Schweißnähte möglichst symmetrisch zur Bauteilachse liegen und nicht größer ausgeführt werden, als es die Planung erfordert. Bei größeren Konstruktionen sollte ein Schweißfolgeplan erstellt werden mit dem Ziel, die Spannungen möglichst klein zu halten. Wenn sich ein Bauteil bereits während der Fertigung verzogen hat, muss es gerichtet werden. Dies kann nach der Fertigung erfolgen oder erst nach dem Feuerverzinken. Welches ist der bessere Weg?

Kaltrichten nach der Fertigung ist nicht zu empfehlen, da zusätzliche Verformungsspannungen eingebracht werden, welche beim Feuerverzinken den Verzug fördern können.

Kaltrichten nach dem Feuerverzinken lässt sich in Längstrichtung mit gutem Erfolg durchführen, jedoch weniger gut beim Winkelzug (Gefahr des Überdrückens der Schweißnaht mit der Folge von Abplatzungen am Zinküberzug).

Flammrichten vor oder nach dem Feuerverzinken bringt gute Richtergebnisse. Bevorzugt sollte vor dem Verzinken gerichtet werden, da die erforderliche Richtzeit dann kürzer ist und ferner keine Beeinträchtigung des Zinküberzuges erfolgt. Erfolgt das Richten nach dem Verzinken, muss eine sorgfältige Temperaturführung zur Vermeidung von Schäden am Zinküberzug sichergestellt werden. Diese Arbeit erfordert große Erfahrung und Handfertigkeit.

Grundsätzlich sollte versucht werden, durch eine feuerverzinkungsgerechte Konstruktion und eine sinnvolle schweißtechnische Fertigung mit niedrigen Eigenspannungen ein Bauteil so zu fertigen, dass Richtarbeiten unnötig werden.